Eine mörderisch nette Familie

Ein Herzanfall sorgt dafür, dass ein Mann aus besseren Kreisen in der eigenen Küche in den frisch zubereiteten Festtagstrut-hahn stürzt, wobei sein Kopf im Bratenfett versinkt - das ist eine der halb komischen, halb gruseligen Szenen, die der außergewöhnliche Kriminalroman »Auf der Lauer liegen« schildert.

Die irische Schriftstellerin Liz Nugent erzählt darin von einer ursprünglich mit Ansehen und Reichtum gesegneten Klein-familie, die in mörderische Nöte gerät. Den finanziellen Ruin, in den ein betrügerischer Steuerberater sie gestürzt hat, verheimlichen der Richter Andrew, seine Frau Lydia und ihr gerade erwachsen gewordener Sohn Laurence ihren Freunden und Bekannten aus der Dubliner Bourgeoisie.

Dass sie in noch finsterere Geheimnisse verstrickt sind, enthüllt Nugent in einer sorgsam konstruierten Story, die aus drei sehr unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird. Jenseits der Krimihandlung ist das in den Achtzigerjahren spielende Buch ein grelles Porträt der irischen Klassenschaft, die unter anderem von einer trostlos verlogenen katholischen Moral, diversen Formen der Drogensucht und einer dreist übergriffigen Polizistenschaft geprägt ist.

Besonders originell und mit tollem Sinn fürs schreckliche Detail widmet sich die Autorin den Abgründen und Peinlichkeiten der Pubertät - und macht vor allem den etwas dicklichen Knaben Laurence zu einem hinreißenden Helden. HÖB

LIZ NUGENT - AUF DER LAUER LIEGEN

Aus dem Englischen von Kathrin Razum